Nikolausbrauch in Wattens

Bereits im ausgehenden Mittelalter sind in Wattens Nikolausspiele (1) nachgewiesen. In zwei Spielaufzeichnungen zum „Spiel des Lebens“ der Pfarre Wattens und Aufzeichnungen im Hause Schmadl am Wattenberg werden „Nikolausspiele“ besprochen.
Diese Nikolausspiele haben sich in den Jahren separatiert und auch nach der jeweilig vorherrschenden Weltanschauung verändert und angepasst. (2) Das Nikolausgehen unserer Generationen in Wattens ist uns wohl durch Luise Unterhuber bestens bekannt. In den Kindergärten ab den 50iger Jahren bis herauf bis ca. 2008. Auch bei div. Vereinsfeiern wurde oftmals der Nikolaus gerufen, deren Darsteller Quer durch die Dorfbevölkerung ging. Nach dem zweiten Weltkrieg waren es gelegentlich auch Gruppierungen anderer Orte, speziell aus Hall (3), die sich dabei ein „Zubrot“ verdienten. Gelegentlich kam es da schon zu handfestesten Auseinandersetzungen mit den ortsansässigen Akteuren.

Die Brauchtumsgruppe Wattens erkannte bald, dass ein geordneter Nikolauseinzug im neuerrichteten Musikpavillon für unseren Ort eine willkommene Bereicherung sein könnte. So bat man Kooperator Stanislaus Majewski den ersten Niokolausumzug als Bischof anzuführen. Später übernahmen diese würdige Darstellung Ferdinand Gurschler, Reinhold Steiner und nun Florian Troppmaier.
Man begann mit der Abholung des Nikolaus bei der Marienkirche in einer Kutsche. Nach zwei Jahren musste dies aber eingestellt werden, da Übermütige den Pferden Kracher zwischen die Füße warfen und die Pferde scheuten. Es kam zu gefährlichen Zwischenfällen.
So wählte man den Auszug aus der Laurentiuskirche. Mit großem Glockengeläute, begleitet von ca. zehn Ministranten mit Laternen und weiteren ca. zehn Engeln vom Trachtenverein mit prall gefüllten Geschenkskörbchen, voran die Hirten Luis Schrott und Stefan Steiner. In der Zwischenzeit spielten schon seit mind. fünfzehn Jahren die „Vögelsberger Musikanten“ auf der Pavillonbühne und bringen die zahlreichen Zuschauer in adventliche Stimmung.
Der ankommende Umzug wird von braven Feuerwehrmännern auf die Bühne geleitet, wo dann der Hl. Nikolaus jährlich seine Ansprache hält. Anschließend lädt er die Kinder ein zu ihm auf die Bühne zu kommen und kleine Geschenkssäckchen entgegenzunehmen.
Mehrmals wurden die Kinder auch eingeladen, anschließend im sehr schönen und stimmungsvollen Probensaal der Musikkapelle im Keller des Pavillons einem Geschichtenerzähler zu lauschen. Leider verödet diese Bemühung langsam, da stark zu erkennen ist, dass nach Erhalt der Geschenke, dem Kauf eines Glühweines und dem „tratzen“ einiger anwesender Teufel der Reiz des Tages ausgeschöpft ist. Hier wäre nochmals anzusetzen um den Sinn des Hl. Nikolaus besser hervorzuheben. Die Zukunft wird’s zeigen.

1
Wattener Buch/Fiechtl, Dr. A. Dörre; leider wurden diese Schriften bei den Sichtungen nicht mehr zurückgebracht und liegen in der Hinterlassenschaft Dörres im Landesmuseum Ferdinandeum IBK.
2
Wenn auch das Erscheinungsbild der,inzwischen in Wattens wieder verödeten Teufelsnächte beim Pavillon nicht diesem Spielbild entsprechen, so sind sie dennoch ein typisches Beispiel einer Brauchveränderung. Ein Kommen und Gehen von mystisch, theatralischen Ausdruckformen des fühlenden Menschen. Der langzeitliche Erhalt solcher Darstellungen liegt ausschließlich an der Qualität und dem vorherrschenden Weltbild.
3
Diese Geschichten sind ebenso im Bereich der Sternsinger bekannt und werden heute noch sehr blumig erzählt. Beim „Gh. Zum Tiroler“ und „Greiderer“ gab es manches Zerwürfnis.
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